Ortsbücherei

 

Bärbel Kuttig (links) und Regina Roloff (rechts)

Herzlich willkommen in der Ortsbücherei Wallensen.

Wir sind jeden Montag von 16.30 bis 18.30 Uhr im „Haus an der Stadtmauer“ im Mühlenwall 18 in Wallensen für Sie persönlich da.

Unser Bücherangebot umfasst sowohl Erwachsenen- als auch Kinderliteratur. Krimis, Biographien, Historische Romane, Unterhaltung – für jede/n ist bestimmt etwas zum Lesen dabei.

Durch ständige Neuanschaffungen, überwiegend im Taschenbuchformat, versuchen wir den aktuellen Lesetrend zu erfüllen. Hierbei tauschen wir uns selbstverständlich mit unseren Lesern aus und veranstalten auch einmal im Jahr eine eindrucksvolle Büchervorstellung durch eine Mitarbeiterin der Matthias-Buchhandlung aus Hameln.

Da das Lesen unser großes Hobby ist, können wir gern einige interessante Tipps weitergeben.

Wir laden Sie ein, einmal in die Ortsbücherei hineinzukommen und nach Herzenslust in unserer großen Bücherauswahl herumzustöbern.

Aber auch zu unseren Veranstaltungen wie o.g. Büchervorstellung oder Lesungen heimischer Autoren laden wir Sie herzlich ein. Termine werden auf dieser Seite und in der Presse bekanntgegeben.

Bärbel Kuttig und Regina Roloff


 

 

Buchempfehlung Mai 2018

Buchempfehlung des Monats August 2018

„Die Eismacher“ von Ernest van der Kwast

Im Norden Italiens, mitten in den Dolomiten, liegt das Tal der Eismacher, in dem sich die Einwohner seit Generationen auf die Herstellung von Speiseeis spezialisiert haben. Jedes Jahr im Frühling siedelt die Familie Talamini nach Rotterdam über, wo sie während der Sommermonate ein kleines Eiscafé betreiben.
Gegen den Willen seiner Eltern beschließt der ältere Sohn Giovanni mit der Familientradition zu brechen und widmet sein Leben der Literatur. Das Eiscafé übernimmt sein Bruder Luca, der inzwischen mit Sophia verheiratet ist, in die beide Brüder einst unsterblich verliebt waren.
Geschickt abwechselnd in der Gegenwart und in Rückblicken erzählt, beschreibt der Autor die familiären Entwicklungen, das Ringen zwischen Tradition, Berufung und Verantwortung, die Beziehung zwischen Eltern und Söhnen sowie die lebenslange Konkurrenz zwischen den beiden Brüdern. In diesem Buch werden sehr einfühlsam die Generationskonflikte und die verloren gegangenen Werte von Freundschaft, Heimat und Familie geschildert.
Lyrik und Eis werden in diesem Roman thematisch miteinander verbunden. Die beschriebenen Eiskompositionen lassen uns den Geschmack auf der Zunge spüren und die zitierten Gedichte sind immer auch ein Spiegel für die Gefühle der beiden Brüder.

Stellenweise erscheint der Text etwas langatmig. Es ist eine Geschichte mit der man Geduld haben muss, die sich langsam entwickelt. Es lohnt sich auf jeden Fall.

Ernest van der Kwast ist ein niederländischer Autor und Journalist. Er ist am 1.1.1981 in Bombay (Indien) als Sohn einer indischen Mutter und eines niederländischen Vaters geboren. Die Familie zog in seiner Jugend in die Niederlande. Dort studierte er Wirtschaftswissenschaften, arbeitete als Chefredakteur einer Literaturzeitschrift und organisierte literarische Events. Heute lebt er mit seiner Lebensgefährtin und zwei Kindern in Amsterdam.


 

Buchempfehlung Mai 2018

Buchempfehlung des Monats Juli 2018

„Mademoiselle Coco und der Duft der Liebe“ von Michelle Marly

„Ich bereue nichts im Leben – außer dem, was ich nicht getan habe.“ (Coco Chanel)

Der Roman erzählt von der Entstehung des berühmten Parfums Chanel No.5 von Gabrielle „Coco“ Chanel im Jahr 1919 in Paris. Es ist die interessante Geschichte um eine der faszinierenden Frauen der Zwanziger Jahre. Coco war zur damaligen Zeit eine einzigartige und selbstbewusste Frau mit Geschmack für Mode und eigenem Stil.
Coco, die aus ärmlichen Verhältnissen stammt, hat es geschafft, sich einen Namen als Modeschöpferin zu erwerben. Dann verliert sie unter tragischen Umständen ihren Geliebten, Arthur „Boy“ Chapel. Sie ist von ihrer Trauer überwältigt. Erst der Gedanke, ihre Liebe zu ihm in einem Parfum auszudrücken, gibt ihrem Leben wieder einen Sinn. Auf der Suche nach dem besonderen Parfum als flüchtiges Denkmal der Liebe setzt sich Coco mit der Kreation eines Duftes auseinander, das am russischen Zarenhof verwendet wurde und inzwischen nicht mehr hergestellt wird. Das Buch lässt viele Prominente des Paris der Zwanziger Jahre auftreten. Coco lernt sowohl russische Adlige kennen, die nach der russischen Revolution nach Paris emigriert sind, als auch Künstler wie Pablo Picasso und Igor Strawinsky.
So bringt uns die Autorin die Entstehungsgeschichte  des Parfums Chanel No.5 näher, aber es werden auch persönliche Hintergründe und Erlebnisse aus Cocos Leben erläutert. Dadurch gelingt Ihr eine gute Mischung aus sachlichen Informationen und fiktiven Elementen.

Marly erzählt unaufgeregt spannend und es fühlt sich gut recherchiert an. Die Sprache ist einfach zu lesen, der Schreibstil ist flüssig.

Michelle Marly ist eine deutsche Bestsellerautorin, die in der Welt des Kinos und der Musik aufwuchs. Ihre Mutter war in den 1950ern ein bekanntes Mannequin. Michelle Marly wohnte lange in Paris und lebt heute in Berlin und München.


 

Buchempfehlung Mai 2018

Buchempfehlung des Monats Juni 2018

„Alles, was wir geben mussten“ von Kazuo Ishiguro

Der ruhig erzählte Roman fängt zunächst wie eine ganz normale Internatsgeschichte an: Es gibt die beste Freundin, den gehänselten Außenseiter, Rivalitäten, Eifersüchteleien, die erste Liebe und die Lieblingslehrerin. Doch es gibt immer wieder Hinweise auf die Besonderheit des Schauplatzes und der Internatsschüler, die das Gelände nicht verlassen dürfen. Die Lehrer, die „Aufseher“ genannt werden, lassen die Schüler spüren, dass ihnen ein besonderes Schicksal auferlegt wurde. Die Kinder werden ermahnt,  besonders auf sich achtzugeben, damit sie später die ihnen zugedachten Aufgaben erfüllen können. Wer hier aufwächst muss etwas ganz Besonderes sein. Diese Gewissheit verbindet Kathy, Ruth und Tommy durch alle Stürme der Pubertät und Verwirrungen der Liebe.
Die Kinder sind alle elternlos, aber sie sind keine Waisen, sondern Klone, geschaffen im Reagenzglas, gezüchtet und aufgezogen als menschliche Ersatzteillager, die später ihre Organe kranken Menschen zur Verfügung stellen werden. Obwohl dies von den Schülern als ganz selbstverständlich hingenommen wird, sind sie voller Sehnsucht nach Leben und Zukunft wie natürlich gezeugte Menschen.

Der Autor erzählt liebevoll und berührend ohne jede skandalisierende Absicht, gänzlich unspektakulär. „Alles, was wir geben mussten“ ist kein als Literatur verkleidetes Pamphlet gegen das Klonen, sondern der Versuch, erzählerisch zu vermitteln was die Produktion von genetischen Kopien für die Betroffenen und für unsere Zivilisation bedeutet. Absolut lesenswert!

Kazuo Ishiguro ist 1954 in Nagasaki (Japan) geboren. In seinem sechsten Lebensjahr wanderte er mit seinen Eltern nach England aus. Dort studierte er später Englisch und Philosophie. Für seinen mit Anthony Hopkins und Emma Thompson verfilmten Roman „Was vom Tage übrigblieb“ wurde ihm 1989 der Booker Prize verliehen. Kazuo Ishiguro lebt in London und erhielt 2017 den Literatur-Nobelpreis.


 

Buchempfehlung Mai 2018

Buchempfehlung des Monats Mai 2018

„Schlüssel 17“ von Marc Raabe

Der erste Fall für Tom Babylon und die Psychologin Sita Johanns. Sommer 1998, eine Clique Jugendlicher findet in einem Kanal einen Toten und einen Schlüssel mit der eingravierten Zahl 17. Herbst 2017, der inzwischen Erwachsene Tom Babylon arbeitet bei der Berliner Kriminalpolizei und wird zu einem Leichenfundort gerufen. Im Berliner Dom hängt, bizarr zur Schau gestellt, eine bekannte Pastorin mit einem Schlüssel um den Hals. Tom Babylon erkennt den Schlüssel sofort und will den Fall um jeden Preis übernehmen. Belastet durch private Probleme und immer noch traumatisiert durch das Verschwinden seiner jüngeren Schwester vor 20 Jahren, ist Tom trotzdem in der Ermittlergruppe dabei. Ebenso in die Ermittlungen eingeschaltet wird die Psychologin Sita Johanns, die Tom im Auge behalten soll. Die Zusammenarbeit ist anfangs nicht leicht und Tom versucht lieber eigene Wege zu gehen. Neben der eigentlichen Handlung gibt Marc Raabe auch gesellschaftlichen Problemen Raum. So ist die Presse teilweise schneller aussagefähig als die Polizei und auch der Mörder scheint immer einen Schritt voraus zu sein. Die Vergangenheit zu Zeiten der DDR ist ebenfalls noch nicht zur Ruhe gekommen. Der Schreibstil ist bis zum Ende spannend. Die einzelnen Rückblicke in die Vergangenheit, die in kursiver Schrift gedruckt sind, helfen das Geschehen von heute zu verstehen. Zwar bleiben am Ende des Buches ein paar Fragen offen, aber es handelt sich ja hierbei auch um den Auftakt der Laufbahn des Ermittlerduos Tom Babylon und Sita Johanns.

Marc Raabe wurde 1968 in Köln geboren. Bereits im Alter von 15 Jahren entdeckte er seine Leidenschaft fürs Geschichtenerzählen und begann zusammen mit einem Freund Super-8-Fime zu drehen. Nach dem Abitur gründeten die Freunde eine Filmproduktionsfirma. Nach einem abgebrochenen Germanistikstudium arbeitet Marc Raabe heute als Filmproduzent und Schriftsteller. Er lebt mit Ehefrau, zwei Kindern und Hund in Köln.


 

Buchempfehlung März 2018

Buchempfehlung des Monats April 2018

„Nur einen Horizont entfernt“ von Lori Nelson Spielman

Die Protagonistin Hannah Farr ist eine erfolgreiche TV-Moderatorin mit eigener Sendung. Sie hat einen Freund und wünscht sich Kinder.
Eines Tages erhält sie ein Entschuldigungsschreiben von einer ehemaligen Klassenkameradin, von der Hannah Jahre lang gemobbt wurde. Dem Brief sind zwei Kieselsteine beigefügt. Wenn Hannah die Entschuldigung annimmt, soll sie einen Stein zurückschicken. Den zweiten Stein soll sie an jemanden schicken, den sie um Verzeihung bittet. Hannah denkt sofort an ihre Mutter, aber sie fürchtet sich vor der Auseinandersetzung. Denn Hannah hat etwas getan, was das Leben ihrer Mutter für immer verändert hat. Wir gehen nun mit Hannah durch Höhen und Tiefen ihres Lebens auf ihrer Selbstfindungsreise und erleben eine positive Entwicklung ihres Charakters.
Der Schreibstil lässt sich leicht lesen. Erzählt wird in der Ich-Perspektive von Hannah. Die Geschichte wird durch viele Dialoge aufgelockert und die Autorin schreibt flüssig, bildlich und emotional.
Die berührende und unterhaltsame Geschichte zum Thema „Vergebung“ regt zum Nachdenken an. Es wird deutlich wie wichtig es ist, sich zu entschuldigen und selbst verzeihen zu können. Jeder kann sich für Fehler entschuldigen und im Gegenzug anderen vergeben.

Lori Nelson Spielman ist in Amerika geboren. Sie gehört zu den erfolgreichsten Romanautorinnen weltweit. Nach abgeschlossenem Masterstudium hat sie zuerst als Logopädin und Vertrauenslehrerin gearbeitet. Heute ist sie als Hauslehrerin beschäftigt und lebt mit ihrem Mann in Michigan.


 

Buchempfehlung März 2018

Buchempfehlung des Monats März 2018

„Serenade für Nadja“ von Zülfü Livaneli

Februar 2001. Die Literaturwissenschaftlerin Maya wartet am Flughafen Istanbul auf den Gast, den sie im Auftrag der Universität betreuen soll. Es handelt sich um Maximilian Wagner, der einige Jahre in Istanbul lebte und arbeitete. Er gehörte zu einer Gruppe Akademiker, die hierher ins Exil gegangen waren um den Nazi-Verfolgungen zu entgehen.
Von Anfang an spürt Maya eine geheimnisvolle Melancholie bei dem 87-jährigen deutschstämmigen Professor Wagner, der sich unter keinen Umständen von seinem mitgebrachten Geigenkasten trennen möchte. Ehe Wagner, nach seinem Vortrag an der Universität, zurückfliegt äußert er den Wunsch, zu einem bestimmten Badeort ans Schwarze Meer gebracht zu werden. Maya begleitet ihn.
Mit Ich-Erzählerin Maya erfahren wir nun nicht nur Wagners tragische Liebesgeschichte mit Nadja, sondern auch von historischen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die offiziell vertuscht werden.
Der Handlung liegt eine historische Begebenheit zugrunde: Der Untergang des Schiffes „Struma“ im Jahr 1942, bei dem 762 jüdische Flüchtlinge und die Besatzung ertranken.
Wir erfahren viel über weit zurückliegende politische Ereignisse in der Türkei und internationaler Verflechtungen. Gleichzeitig erleben wir die Alltagsprobleme einer modernen Türkin als alleinerziehende Mutter eines computersüchtigen Sohnes, berufstätig und ständig in Auseinandersetzung mit ihrem Exmann und ihrem Bruder.

Zülfü Livaneli wurde 1946 in der Türkei geboren. In den 70er Jahren war er wegen seiner politischen Anschauungen gezwungen, die Türkei zu verlassen, erst 1984 kehrte er zurück. Zülfü Livaneli ist einer der bekanntesten Künstler der Türkei, der mit seinen Liedern und Kinofilmen international große Erfolge feierte. Einige Jahre war er Mitglied des türkischen Parlaments, besonders setzte er sich für die türkisch-griechische Aussöhnung ein.


Buchempfehlung März 2018

Musikalische Lesung "Walaburgon - Die Saga einer kleinen Stadt"

Trotz widriger Witterungsverhältnisse konnte Regina Roloff von der Ortsbücherei Wallensen zahlreiche Besucher - auch von weit außerhalb - im Haus an der Stadtmauer begrüßen. Nach einem einladenden Empfang mit Kaffee und Kuchen wurden die Ohren verwöhnt. Unterstützt von außergewöhnlichen musikalischen Kompositionen erweckten die Autorin Tanja Flügel und ihre Tochter Salia eine weit zurückliegende Epoche zum Leben, die doch noch immer Auswirkungen auf die Gegenwart hat. Sie nahmen die Zuhörer mit in eine Zeit vor über 700 Jahren, in der die erste Wallenser Glocke gegossen wurde. Schon jahrhundertelang ist ihr Klang für Generationen von Menschen die unverwechselbare Stimme des Ortes.
Die Besucher lauschten gespannt den Gedanken des Homburger Grafen, der die Geschicke des Saaletals von der Lauensteiner Burg aus lenkte, ließen sich von den damals immer noch lebendigen magischen Riten des „alten Glaubens“ verzaubern und erlebten zusammen mit dem jungen Mönch Johannes, welche Macht im Mittelalter vom Hildesheimer Bischof ausging. Es ist das Wunder im Alltäglichen der damaligen Zeit, das die Autorin fasziniert und welches sie ihren Lesern in poetischer Sprache nahebringt. So war die Lesung eine gelungene Zeitreise im stilechten Fachwerkambiente des Hauses an der Stadtmauer.

Den Roman "Walaburgon - Die Saga einer kleinen Stadt" gibt es ab sofort auch bei uns in der Ortsbücherei.

Wer die Lesung nicht erleben konnte, hat am 9. November 2018 Gelegenheit das nachzuholen. Dann sind die Autorin und ihre Tochter auf Einladung des Museumsvereins Coppenbrügge in mindestens ebenso authentische Atmosphäre auf der Burg Coppenbrügge zu Gast.


 

Ortskern von Wallensen