Wallensen-Thüste-Ockensen  
Ith Geheimnisvoller Berg Es war einmal… eine mystisch anmutende Bergwelt. Eine Landschaft mit kleinen Höhlen, bizarren Felsgebilden, moosbewachsenen Baumstümpfen. Die Teufelsküche – das zu Hause des Trollmädchens Aradya. Sie wohnte schon lange und gern hier. Der Platz war voller ungewöhnlicher Ereignisse. Die Seelen dieses einstigen Opferplatzes und auch der vielen getöteten Kinder im Berg konnte sie an manchen Tagen spüren. Es war alles nach ihrem Geschmack. Sie liebte den Tod. Er war Inhalt ihres Daseins. Sie wollte aber nicht immer nur auf den Zufall warten. Das war ihr zu langweilig. Doch irgendwann ergab es sich, dass sie selbst in das Geschick eines Menschen eingreifen konnte. So fand sie Gefallen daran. Es war an einem wunderschönen Sommertag. Durch das grüne Blätterdach schien die warme Mittagssonne. Aradya spielte mit ihren spitzen Ohren und schaute auf die Sonnenstrahlen, die wie goldene Stäbe vom Himmel auf den Waldboden ragten. Ach, könnte sie doch auf diesen emporklettern, um über ihren Berg zu schauen. Doch ihre kleinen, krummen Beinchen wären für so ein Abenteuer nicht geeignet. Noch während sie sich mit diesen Gedanken beschäftigte, knackte es im Unterholz. Aradya war sofort auf der Hut. Sie versteckte sich unter Farnzweigen und wartete erst einmal ab. Dann entdeckte sie eine junge Frau mit langen, blonden Zöpfen. Sie kam geradewegs auf ihren Höhleneingang zu. Dort lag ein schöner glatter Stein, auf dem sich Aradya immer sonnte. Auch der jungen Frau schien er zu gefallen. Erschöpft ließ sie sich darauf nieder. Aradya wagte nicht, sich unter dem Farn zu bewegen. Plötzlich hörte sie ein leises Schluchzen. Ihre Besucherin weinte still vor sich hin. Irritiert überlegte Aradya, was sie jetzt tun sollte. Sie konnte es nicht ertragen, wenn Frauen leiden. Bestimmt war ein Mann der Grund für den Kummer. Sie musste unbedingt helfen! Vorsichtig verließ sie ihr Versteck und zeigte sich der jungen Frau. Verdutzt hörte diese augenblicklich auf zu weinen und schaute auf das kleine Trollmädchen herab. Sie schien keineswegs erschrocken über deren Erscheinen zu sein. Über die Gegend um die Teufelsküche wurde so manches erzählt. Sie machten sich bekannt, und Aradya erkundigte sich nach dem Grund ihrer Tränen. Also doch! Sie hatte es gewusst! Es war ein Mann, der das Leben dieses zarten Geschöpfs zu zerstören drohte. Aradya konnte endlich wieder ihre ganzen zerstörerischen Kräfte mobilisieren. Die Beiden unterhielten sich noch lange. Es dunkelte bereits, als die junge Frau wieder in Richtung Heimatdorf aufbrach. Lächelnd und behände hüpfte sie über den Waldboden. Endlich schien ihr Leben wieder hell und freundlich zu werden. Das Trollmädchen Aradya würde dafür sorgen, dass ihr Mann am Berge Ith unter mysteriösen Umständen verschwand – wie so viele Seelen vor ihm. Am Höhleneingang saß auf ihrem Stein Aradya und schmunzelte: Sie hatte ihre neue Aufgabe gefunden! Und fortan wussten alle Frauen in der Gegend, wo sie die Lösung fanden, wenn der eigene Mann zum Problem wurde! © Marion Roth. al. Veronique Rosen